KiKuK-Jugendjournal

Hier berichten, interviewen, und kommentieren Jugendliche Themen, die die Jugend Falkensees bewegt.

Kinder und Jugendliche leben in einer Welt, die die Erwachsenen bestimmen. Sie kommen viel zu selten zu Wort, obwohl sie viel zu sagen hätten oder Fragen stellen möchten. Das ändert sich mit dem KiKuK-Jugendjournal. Die Jugend bietet eine seriöse, sehr informative und sehr professionelle Online-Zeitung für Falkensees Jugend und Erwachsene gleichermaßen.

Artikel

Der Leitartikel

Die Fußballweltmeisterschaft in Katar ist vorbei. Geblieben ist die Diskussion darüber, ob und wie Politik und Sport miteinander verwoben seien müssten oder ob beides voneinander getrennt (betrachtet) werden sollte. Eine Gruppe junger Menschen, die derzeit mit dem „Förderkreis für Kinder, Kunst und Kultur e.V.“  (Kikuk-Verein) Einblicke in den Journalismus erhält, hat sich mit dem Thema befasst und dazu einen Leitartikel geschrieben. Herausgekommen ist ein Plädoyer dafür, dass Sport und Politik nicht voneinander zu trennen seien und die konträre Darstellung, warum Sport und Politik voneinander getrennt werden müssten. Aufgehängt wurde das Thema am Trageverbot der „One-Love-Binde“, die vor dem Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft für viel Diskussion gesorgt hatte. Der Umgang mit dem Stück Stoff spiegelt die kontroverse Auseinandersetzung wider.

Der Leitartikel pro Verbot der „One-Love-Binde“

Das wichtige Verbot der One-Love-Binde

von Filip Klingelhofer

Die „One-Love-Binde“ ist vor allem kurz vor der WM zu einem der am meisten diskutierten Themen geworden. Die Binde zu verbieten war absolut richtig. Aber warum das richtig ist, verstehen viele nicht. Im Laufe des Artikels wird man aber die Richtigkeit der mindestens nachvollziehen können.

Kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar schlossen sich 7 Verbände, darunter auch Deutschland und Dänemark, zusammen und wollten mithilfe der „One-Love-Binde“ ein Zeichen gegen die fehlenden Menschenrechte, sowie die Diskriminierung einzelner Gruppen setzen. Sie wollten mit der Kapitänsbinde die Gedanken der westlichen Länder in Katar verbreiten und vielleicht eine Veränderung in Katar herbeiführen. Diese Aktion verhinderte die FIFA, indem sie den Verbänden und den Spielern mit Sanktionen drohte, die bis zu einer Spielabsage hätten führen konnten. Daraufhin akzeptierten die Verbände das Verbot ganz zur Freude der FIFA und Katar.

Natürlich war das Ziel der „One-Love-Binde“ nicht Katar oder die FIFA zu verärgern, sondern eine weit verbreitete Entwicklung auch nach Katar mitzunehmen. Dort sind nämlich die LGBTQ-Rechte verboten und werden, durch ihren Glauben, als „geistigen Schaden“ wahrgenommen. Mit dem kleinen Protest durch die Binde sollte aber genau das Gegenteil gezeigt werden.

Außerdem wurde die Kapitänsbinde auch zuvor bei anderen Länderspielen getragen, um das Statement zu verbreiten. Das sollte während der WM fortgeführt werden. Deswegen hat die FIFA auch ähnliche Binden zur Verfügung gestellt.

Zuletzt spricht auch für die „One-Love-Binde“, dass die Regierung von Katar dem FIFA-Präsidenten Gianni Infantino zugesichert haben soll, dass alle Gäste in ihrem Land willkommen sein sollen.

Gegen das Tragen der „One-Love-Binde“ spricht aber, dass man dem Gastgeberland, in dem Fall Katar, Respekt zollen soll. Das bedeutet auch, dessen gesellschaftliche Werte zu akzeptieren, so wie die Katarerinnen und Katarer es tun müssen, wenn sie nach Deutschland reisen.

Zudem ist das Verbreiten einer politischen Message im Fußball aufgrund der Regularien der FIFA verboten. Aus diesem Grund musste zum Beispiel Dänemark die Beflockung auf den Trikots umändern. Da die „One-Love-Binde“ aber Menschenrechte vertritt, könnte man meinen, dass es sich um keine politische Message handelt. Dem ist aber so, weil die Menschenrechte und Werte, die Vertreten werden sollen, werden durch die Politik und deren Glauben abgelehnt, somit ist es eine politische Message und verboten laut der FIFA.

Letztendlich hat die FIFA aber die „One-Love-Binde“ mithilfe ihres Artikels 13.8.1 verboten. Dabei nutzten sie die Begründung, dass die Binde keine offiziell gestellte Binde der FIFA wäre, wovon jede Mannschaft pro Spiel zwei Stück erhält. Dagegen konnten die Vertreter der 7 Fußballverbände nichts sagen und mussten ihren Plan des stillen Protestes aufgeben.

Aber was kann man stattdessen tun? Zuerst einmal muss die FIFA mögliche Austragungsorte der WM auf mögliche Probleme durch die Gesellschaft oder Politik in Zukunft besser kontrollieren, damit in Ländern wie Katar keine WM mehr stattfindet. Die einfache Bevölkerung und Fans können außerhalb des Fußballs aber etwas machen, nämlich sich für die fehlenden Menschenrechte einsetzen, egal ob es Demonstrationen in Katar sind, oder in den Heimatländern vieler Fans. Mit den Demonstrationen in den Heimatländern kann man die Politiker auffordern, eine Verbesserung der Situation in Katar sogar komplett außerhalb des Fußballs zu erzielen, was am besten wäre.

Zusammenfassend kann man sagen, dass eine Genehmigung der „One-Love-Binde“ dem Gastgeberland Katar nicht gefallen hätte und die FIFA das richtige für eine ruhige WM getan hat, nämlich die „One-Love-Binde“ zu verbieten. Dabei wurde den Verbänden auch kein Raum für eine Anzweifelung des Verbots der „One-Love-Binde“ gegeben.

Man sagt: „Fußball verbindet“. Die „One-Love-Binde“ hätte ihn entzweit!

Der Leitartikel contra „One-Love-Binde“

Heuchlerei siegt gegen Menschenrechte

Wie aus Fußball Politik wurde und unser Land politisch versagte.

Von Vanessa Schneider und Noemi Kirchner

Ein Gastgeberland geprägt von kritischer Menschenrechtslage, korrupten Vergabeverfahren und rund 15.000 toten Gastarbeiter. Die Weltmeisterschaft 2022 in Katar steht unter hoher Kritik und das nicht nur, weil sie dieses Jahr im Winter stattfinden muss. Fußball sei nicht politisch, so die Aussage vieler, die die Augen verschließen und den Sport genießen wollen.

Aber wieviel hat die „Förderung moderner Sklaverei“ (Zitat Die WELT), das Stillschweigen in Anbetracht schlimmster Verbrechen und das Ignorieren von Menschenrechten wirklich mit Politik zu tun? Der Ruf nach Gerechtigkeit ist in den vergangenen Jahren lautstark artikuliert worden und die Frage, warum ein Land wie Katar die WM austragen darf, ist in aller Munde. Wer hätte gedacht, dass ein Fetzen Stoff das Fass zum Überlaufen bringt?

Die „One-Love-Binde“ – eine Kapitänsbinde als Symbol für Zusammenhalt und Gleichberechtigung. Eine Kapitänsbinde, die unsere Werte unterstützt und besonders in Situationen wie Katar einen Hoffnungsschimmer für Menschenrechte darstellen sollte. Zehn Fußballverbände kündigten im September dieses Jahres an, durch das Tragen der Binde ein Zeichen setzen zu wollen. Ein Zeichen gegen Homophobie, Antisemitismus und Rassismus. Ein Zeichen für Menschen- und Frauenrechte. Kurz vor WM Beginn dann der Schock: Die bunte Binde, welche ohnehin schon kompromissvoll von den klassischen Regenbogenfarben abweicht, wurde von der FIFA verboten.

Begründet wurde diese Entscheidung mit dem Artikel 13.8.1 des FIFA-Ausrüstungsreglements. Dieser besagt: „Bei FIFA-Endrunden muss der Spielführer jedes Teams die von der FIFA bereitgestellte Spielführerbinde tragen“. Bestraft werden soll ein Verstoß des Regelwerkes wohl auch mit einer Gelben Karte. Mit Kundgabe dieser Konsequenz mussten viele Fans zusehen, wie sich sämtliche Fußballverbände, darunter auch der DFB, dem Machtspiel der FIFA beugten. Fußballspieler, die vorher noch kundgaben, die Aktion trotz möglicher Sanktionen durchziehen zu wollen, wählten den finalen Weg des geringen Widerstands. Statt Menschenrechte der erhöhten Chance auf Sieg vorzuziehen, wurde sich untergeordnet und auf das nicht nur politisch, sondern auch rein menschlich wichtige Statement verzichtet.  

In einem Land, in dem Meinungs- und Pressefreiheit eingeschränkt sind, in dem Homosexualität unter Haftstrafe steht, in dem Geld mehr wert ist als Menschenleben, in gerade so einem Land ist es wichtig, zu seinen Werten zu stehen und in der Lage zu sein, diese auch öffentlich zu vertreten. Wahren Mut zeigte die deutsche Nationalelf dieses Jahr aber leider ebenso wenig wie fußballerisches Können. Ganz im Gegensatz zu den iranischen Fußballspielern. Aus Solidarität mit den Protesten in der Heimat schwiegen die Spieler während der Nationalhymne. Ein Team, dem mit Gefängnis und Folter gedroht wird, „wenn sie sich nicht benehmen“ stellte sich hier gegen das eigene Regime und gefährdete somit nicht nur die Karriere jedes Spielers, sondern auch deren Leben und die Leben ihrer Familien. In diesem Licht wirkt auch die Aktion der DFB-Spieler, beim Auftaktspiel gegen Japan im Gruppenfoto den Mund zu verdecken und sich so, ohne jegliche Konsequenzen gegen die Zensur zu stellen, eher wie ein Trostpflaster, als wie eine mutige Deklaration.

Nachdem die diesjährigen Spiele mit den Worten „Jeder ist bei der WM willkommen“ eingeleitet und lautstark Inklusion, Diversität und Toleranz versprochen wurde, war die Umsetzung mehr als enttäuschend. Die entstandene Debatte und das politische Ausmaß dieser waren einzig notwendig, da das Minimum an notwendiger Menschlichkeit in dieser WM leider zu kurz kam. Fußball muss nicht politisch sein, aber Fußball sollte sich niemals über die Menschenwürde stellen. Taten, die in dieser WM für Aufstände gesorgt haben, sind mit Sicherheit keine Rarität im kommerziellen Sport und hätte schon viel früher bemängelt werden können. Doch wenn wir wollen, dass Fußball weiterhin zusammenschweißt und nicht unsere Werte spaltet, sollten wir hoffen, dass die diesjährigen Debatten Veränderungen anregen und sich zukünftig etwas ändert. Der sportliche Fokus sollte nicht durch Menschenrechte degradierende Vorschriften in den Hintergrund gedrängt werden. Was sich ändern muss, ist nicht die Reaktion der Zuschauer, sondern die Reaktion der Verantwortlichen, die diese Tragödie hätten verhindern können.